Wirtschaft

Gründungswelle im Nebenerwerb: Warum immer mehr Angestellte nebenbei gründen

Von Redaktion · 21. Juli 2026
Gründungswelle im Nebenerwerb: Warum immer mehr Angestellte nebenbei gründen

Deutschland erlebt eine stille Gründungswelle: Nicht Vollzeit-Start-ups mit Investorengeldern treiben die Statistik, sondern Angestellte, die neben dem Hauptjob ein eigenes Geschäft aufbauen. Nach Zahlen mehrerer Gründungsmonitore entfallen inzwischen deutlich mehr als die Hälfte aller Neugründungen auf den Nebenerwerb – Tendenz weiter steigend.

Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen haben digitale Geschäftsmodelle die Einstiegskosten drastisch gesenkt: Ein Onlineshop, eine Beratungsdienstleistung oder ein Content-Projekt lässt sich heute mit wenigen hundert Euro starten. Zum anderen wächst bei vielen Beschäftigten der Wunsch nach einem zweiten Standbein – als Absicherung gegen Stellenabbau, aber auch als Test für eine spätere Selbstständigkeit.

Digitale Modelle dominieren

Besonders beliebt sind Geschäftsmodelle, die sich zeitlich flexibel neben dem Beruf betreiben lassen: E-Commerce, Online-Dienstleistungen, Content-Erstellung und Beratung. Auffällig ist der wachsende Anteil von Gründungen, die künstliche Intelligenz als Werkzeug einsetzen – etwa für Texterstellung, Kundenservice oder Produktrecherche. Was früher ein kleines Team erforderte, erledigen Gründer heute teils allein mit digitalen Werkzeugen.

Branchenbeobachter sehen darin eine strukturelle Verschiebung: Die Grenze zwischen Angestelltendasein und Unternehmertum wird durchlässiger. Wer heute nebenberuflich startet, kann sein Modell mit überschaubarem Risiko testen und erst bei nachweisbarem Erfolg den Schritt in die Vollzeit-Selbstständigkeit wagen.

Experten raten zu realistischer Planung

Gründungsberater warnen zugleich vor überzogenen Erwartungen. Wer nebenberuflich gründet, muss Arbeitszeit, Steuerpflichten und gegebenenfalls die Zustimmung des Arbeitgebers im Blick behalten. Auch die Sozialversicherung will geprüft sein: Ab bestimmten Einkommens- und Zeitgrenzen kann sich der Status ändern.

Entscheidend sei, das Nebengewerbe von Anfang an sauber aufzusetzen – mit getrennten Konten, ordentlicher Buchführung und einem realistischen Zeitbudget. „Die erfolgreichsten Nebenerwerbsgründer behandeln ihr Projekt wie ein richtiges Unternehmen, nur eben in kleinerem Maßstab", heißt es aus Beraterkreisen. Wer diese Disziplin aufbringe, habe gute Chancen, dass aus dem Zweitstandbein mittelfristig mehr werde.

Für die Gesamtwirtschaft ist der Trend eine gute Nachricht: Nebenerwerbsgründungen gelten als wichtiger Innovationstreiber und als Talentpool, aus dem die Wachstumsunternehmen von morgen hervorgehen.